Tinajo

Übersicht

Das im nordwesten Lanzarotes gelegene Tinajo befindet sich in unmittelbarer Nähe zum vulkanischen Nationalpark Parque Nacional de Timanfaya. Obwohl ein beachtlicher Teil des Gemeindegebiets von Tinajo bei den verherrenden Vulkanausbrüchen von 1730-36 von der glühenden Lava zerstört wurde, konnte sich die Region zu einem landwirtschaftlichen Zentrum entwickeln.
Neben den jungen Lavafeldern, den Montañas de Fuegos, bietet Tinajo eine der schönsten Kirchen in der Umgebung und einen prämierten Dorfplatz, den vier der seltenen Drachenbäume zieren. Eine weitere Attraktion des Ortes ist die Ringkampfarena. Dort wird der kanarische Nationalsportart ausgeübt.
Für Sportbegeisterte bietet sich, abgesehen von Wanderungen im und um den Nationalpark, das Wassersportzentrum im 5 km entfernten La Santa an. Dort herrschen ideale Verhältnisse für Wassersportarten. Für Luftsportarten – allen voran Gleitschirmfliegen – ist El Cuchillo direkt neben Tinajo der richtige Ort.

Geschichte/Gründung

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Tinajo wurde erst sehr spät (ab dem Jahre 1490) von den spanischen Konquisadoren eingenommen. Selbst bis zum 17. Jahrhundert war der Landstrich sehr spärlich bevölkert. Glücklicherweise! Denn in den Jahren 1730-36 wurde bei der langanhaltensten Eruption weltweit die Hälfte des Gemeindegebietes mit Lava versiegelt. Anno 1802 erlangte die Kommune ihre Unabhängigkeit von den Ländereien Inaguaden. Durch den aufwändigen Transfer von fruchtbarer Erde mit Eseln und Kamelen von San Bartolomé wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Grundstein für die Entwicklung des Gebiets zum heutigen Agrarzentrum gelegt. Dies erhöhte den Lebensstandard der Bewohner beachtlich, was die großen Häuser aus jener Zeit noch heute bezeugen.

Lage und Vegetation

Die 5 km von der Küste entfernte Stadt Tinajo, zugleich das Zentrum der gleichnamigen Gemeinde, liegt 195 Meter über dem Meeresspiegel und befindet sich 10 km nordöstlich des Parque Nacional de Timanfaya im nordwestlichen Teil von Lanzarote. Durch die unmittelbare Nähe zum Vulkangebiet eignet sich der Ort hervorragend als Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark. Zur Gemeinde gehören inzwischen die Ortschaften Mancha Blanca, La Santa, La Vegueta, El Cuchillo, Casas del Islote und Tinguatón.
Mit dem Auto erreicht man Tinajo von San Bartolomé kommend nach 11 km über die LZ-20 und über die LZ-67 von Yaiza (17 km entfernt). Als öffentliches Verkehrsmittel bietet sich es an den Bus von der Hauptstadt Arrefice zu nehmen. Die Linie 16 der Busgesellschaft Arrefice Bus bedient den Ort acht Mal täglich, mit einer Taktung von zwei Stunden. Endstation dieser Linie ist La Santa – sie kann also auch benutzt werden, um von Tinajo ans Meer zu fahren.
Ein Teil der Gemeindefläche gehört zum Nationalpark, nämlich die Montañas de Fuego. Auf den relativ jungen Lavafeldern, die bei der großen Eruption im 18. Jahrhundert entstanden, entwickelte sich in den letzten Jahrhunderten eine einzigartige Fauna. Hinzu kommt, dass der Norden der Insel durch die vergleichsweise hohe Niederschlagsmenge (bis zu 300mm/Jahr) ohnehin eine üppigere Vegetation vorweisen kann als der Süden. So ergänzen Farne, Kiefern, diverse Ölbäume und Lorbeerwälder das typische Landschaftsbild.

Wirtschaft

Hauptindustriezweig der Region Tinajo ist die Landwirtschaft. Durch das warme Klima gedeihen hier viele Kulturpflanzen. Mit Weintrauben, Zwiebeln, Süßkartoffeln und Tabak seien nur einige wenige genannt. Zusätzlich wird die fruchtbare Fläche auch als Weideland benutzt. Das zweite Standbein ist natürlich der Tourismus, wobei dieser mehr Facetten als den üblichen Urlaubstourismus hat. Der zur Gemeinde gehörende Ort La Santa ist ein wahres Eldorado für Wassersportbegeisterte, und auch viele Profis geben sich hier zur Saisonvorbereitung ein Stelldichein. Da sich der Nationalpark in unmittelbarer Nähe befindet, sorgen die Naturliebhaber und Wanderer für zusätzlichen Umsatz.

Kultur und Einwohner

Fast die Hälfte der 5800 Einwohner des gesamten Gemeindegebietes von Tinajo wohnen im Verwaltungszentrum. Der 2500-Seelen-Ort ist, wie tendentiell der nördliche Teil der Insel, nicht vom Tourismus vereinnahmt.
Ein fester Bestandteil der Kultur im Ort ist der Ringkampf. Eine der besten Mannschaften der Insel kommt aus Tinajo und trägt regelmäßig ihre Kämpfe in der Arena aus.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche San Roque

Tinajo hat eine äußerst sehenswerte Kirche Namens San Roque. Sie wurde 1795 erbaut und besitzt eine seltene Kassettendecke im arabisch geprägten Mudèjarstil mit blau-roten Feldern. Die ungewöhnliche Architektur – von vorne erscheint sie wie eine dreischiffige Kirche – verdankt San Roque dem Umstand, dass auf der linken Seite eine Taufkapelle mit einem steinernden Taufbecken integriert ist. In der Kirche befinden sich zudem wertvolle Statuen, wie die Schutzpatronin der kanarischen Inseln Virgen de la Candelaria, von Fernando Estevez aus Holz gefertigt. Ergänzt wird diese durch ein Christusbildnis von einem der berühmtesten kanarischen Bildhauer, Lujàn Pèrez. Über diesen Kunstwerken befindet sich auf dem Dach der Kirche eine Sonnenuhr. Früher reihte sich auch die Virgen de Los Dolores in die Sammlung ein. Jedoch wurde diese im Jahr 1736 von den verzweifelten Dorfbewohnern zum Aufhalten der Lavaströme in Richtung des heutigen Ortes Mancha Blanca getragen. Da das Unterfangen mit Erfolg gekrönt war, wurde ihr zu Ehren an jenem Ort die Ermita de Los Dolores gebaut, in welcher sie noch heute angebetet wird.

Plaza de San Roque

Der Dorfplatz Plaza de San Roque ist in Verbindung mit der direkt danebenstehenden Kirche ein beliebter Ort um Hochzeiten auszutragen. Dies kommt nicht von ungefähr, da der Platz eher einem Garten ähnelt. Der 1983 prämierte Treffpunkt von Jung und Alt ist verziert mit Hibiskusbüschen, Palmen, Aurocarien, Indischem Lorbeer und heimischen Lorbeerbüschen. Sogar vier der seltenen Drachenbäume sind hier zu bewundern

Ringkampfarena

Die Stadt ist auch unter Einheimischen auf der ganzen Insel für den Nationalsport der Kanaren bekannt: dem kanarischen Ringkampf (Luncha Canaria). Die Ringkampfarena (Torrero) in Tinajo ist der Austragungsort der meist kurzen Kämpfe, in denen durch Geschick, Kraft oder Geschwindigkeit versucht wird, den Gegner zu Boden zu bringen. Wenn sich die Gelegenheit zum Besuch eines Kampfes ergibt, sollte man diese Chance nicht ungenutzt verstreichen Lassen.

Museeum

Tinajo besitzt keine Museen. Es befindet sich jedoch im 5 km entfernten Tiagua das bedeutende Landwirtschaftsmuseum Museo Agricola El Patio. Hier kann man auf 5000 m² erkunden, wie die Bauern vor einigen hundert Jahren auf der Insel gewohnt und diese bewirtschaftet haben.

Strand

Aufgrund der Lage im Landesinneren hat Tinajo keine Strände vorzuweisen. Jedoch bietet das 5 km entfernte La Santa einen künstlich angelegten, 900 m langen Sandstrand. Durch die Kombination von feinem, weißem Sand und dem ruhigen Seegang eignet er sich hervorragend für Familien mit kleineren Kindern.

Feste

Día de Canarias

Auch in Tinajo wird jedes Jahr der Tag gefeiert, an dem die Kanaren den Status einer autonomen Provinz erhielten. Am 30. Mai wird daher mit einem besonders kulturell und traditionell geprägten Programm aufgewartet. Für jeden, der die Sitten und Bräuche des Ortes und der ganzen Insel besser kennenlernen will, ist ein Besuch dort obligatorisch

Fiestas de San Roque

Das größte Fest des Jahres findet im August statt. Während der Fiestas de San Roque gibt es ein vielfältiges Programm bestehend aus Theater, Bola, Bingo und verschiedenen Spielen für Kinder. Musik von traditionellen und modernen Künstlern gehört natürlich auch dazu. Die Tanzwütigen können sich außerdem bei einem Tanzmarathon und einer Schaumparty austoben

Fiesta del Nuestra Señora de los Volcanes

Das Fest zu Ehren der Virgen de Los Dolores, welche die Einwohner vor den Lavamassen beschützte, findet am 15. September jeden Jahres im Nachbarort Mancha Blanca statt. Die Prozession startet jedoch in Tinajo und führt von dort zur Ermita de Los Dolores.

Nachtleben

 Für Nachteulen ist Tinajo ein denkbar ungünstiger Unterschlupf – Discotheken, Clubs oder Bars sucht man hier vergebens. Um dennoch die Nacht zum Tage machen zu können, muss man auf die größeren Städte im Landesinneren ausweichen (Teguise, San Bartolomè).