Wandern auf Madeira

Madeira mag zwar nicht die größte Insel sein; für Wanderfans offenbart sich auf der Blumeninsel aber ein Paradies mit unzähligen Möglichkeiten. Das ganze Jahr über treffen sich hier Sportfans und Naturliebhaber, Jüngere und Ältere für ein gemeinsames Hobby: Dem Wandern.

Die besten Wandermonate auf der Insel Madeira sind Juli, August und der frühe September, weil zu dieser Zeit die Niederschlagswahrscheinlichkeit in den bergigen Regenwäldern am geringsten, und der Himmel fast durchgehend klar ist. Trotzdem ist es nicht zu heiß. Auch im Juni kann man wandern, allerdings ist es in dem frühen Sommermonat oft bewölkt. Wandern im Juni kann sogar gefährlich sein, weil die Levada-Mauern, Wanderpfade an Madeiras künstlichen Wasserläufen, dann oft glitschig sind und man schnell ausrutschen kann. Ein anderes Problem im Juni sind die Wolken, die zu dieser Jahreszeit oft schon am Nachmittag höher gelegene Wanderpfade in Nebel einhüllen. Wenn Urlauber also im Juni auf der Insel Madeira sind und wandern möchten, sollten sie ihre Touren am besten früh morgens beginnen.

Um auf Madeira zu wandern, müssen Sie kein Wanderprofi sein. Achten Sie aber auf eine gute Ausrüstung. Regenschutz, Sonnencreme, Wanderschuhe, warme sowie leichte Bekleidung und Verpflegung sollte man bei jeder Wanderung dabei haben. Das Wetter kann in Madeiras Bergen in Sekundenschnelle zwischen Sonne und Regen wechseln. Noch angenehmer gestalten sich eine Wanderung mit Kompass und Wanderstöcken.

Auch für Wanderanfänger ist die Insel Madeira geeignet: Wenn man sich auf Pfaden durch die wilde Natur der Insel unsicher fühlt, können Urlauber auch an geführten Touren teilnehmen. Fast jedes Hotel bietet wöchentlich Ausflüge an. Oft gibt es auch Anfängerangebote oder Kinderwanderwochen.
Die Kosten für geführte Touren liegen zwischen 25 € und 40 € und beinhalten meist das Abholen vom Hotel.

Wandern Sie allein, sollten Sie sich am besten vorher einen Wanderführer für die Insel besorgen. Man sollte sich aber trotzdem zuvor im Hotel oder bei der örtlichen Touristeninformation erkundigen, ob die von Ihnen angestrebten Wanderpfade noch begehbar sind. Durch die nahezu unberührte Natur kommt es zumeist in den Wintermonaten dazu, dass Wanderpfade zuwuchern und von Flora und Fauna verschlungen werden.

Die Levadas - sobald man sich mit Wandern auf Madeira beschäftigt, scheint der Begriff Levada allgegenwärtig. Dabei handelt es sich um künstlich angelegte Wasserläufe, die Wasser von den Bergen im Norden der Insel Madeira ins Zentrum und in den Süden transportieren. Dadurch, dass die kleinen, oft von Schmucklilien umringten Bäche nur ein sehr geringes Gefälle haben, scheinen sie sich sogar Berge herauf und herunter zu winden. Entlang der Levadas gibt es Pfade und Begrenzungsmauern auf denen man wandern kann.

Ursprünglich wurden die Levadas von Sklaven erbaut, die von den portugiesischen Kolonien Afrikas nach Madeira gebracht wurden. Heute bessert man die Bachläufe mit modernen Maschinen aus. Die Levadas sind ein ausgeklügeltes Meisterwerk der Bautechnik, weil durch minuziöses Gefälle sichergestellt wird, dass alle Bauern der Insel mit Wasser versorgt werden. Auf Madeira bildete sich dazu eine spezielle Berufsgruppe heraus, die Levadeiros, deren Aufgabe es ist, darauf zu achten, dass alle Insel-Bewohner mit gleich viel Levada-Wasser versorgt werden. Sie halten die Levadas außerdem sauber.

Die Veredas (Fußwege) entlang der Lavadas schlängeln sich 2000 Kilometer über die Insel. Die Levadas sind damit für die Einwohner nicht nur essenziell für die Wasserversorgung, sondern sorgten auch für einen touristischen Aufschwung der Insel Madeira zum Wanderparadies. Oft können Sie als Wanderer auch Forellen in den Bächen schwimmen sehen. Zwar gibt es auch auf anderen Inseln Levadas, jedoch sind sie nirgends so zugänglich und weitläufig wie auf Madeira.

Besonders viel zu entdecken gibt es im Tal von Serra d'Água. Dort führt eine Levada 65 Kilometer lang an Aussichtspunkten mit Blick auf die Südküsten Encumeada, Ribeira Brava und Campanário. Bei geführten Touren picken sich die Wanderführer dort oft nur eine Strecke von fünf Kilometern heraus, für die man etwa zweieinhalb Stunden braucht.
Der Encumeada-Pass bietet noch weitere Möglichkeiten: Fahren Sie bis von Ribeira Brava aus bis zum Parkplatz des Passes (Bus-Linien 6 und 139) und wandern Sie von dort ins Folhadal.

Vom Plateau Pául da Serra gibt es auch eine empfehlenswerte Tour durch das Tal Rabaçal. Von dort aus kann man zu den Risco-Wasserfällen laufen. Danach steigt man zum Levada-Pfad "der 25 Quellen" herab und läuft dort entlang des Hauptpfades bis zu einem See, der durch 25 Quellen gespeist wird. Für diese Tour sollte man aber einen ganzen Tag einplanen.

Ausblicke auf das Städtchen Camacha hat man auf dem Weg entlang der Levada von Serra do Faial. Sie startet im Paradies-Tal, im Vale do Paraíso, und endet in Rochão - ein angenehmer Spaziergang auf fünfeinhalb Kilometern.

Das gesamte Spektrum der Insel erlebt man bei einer Wanderung vom Pico do Areeiro über den Pico do Ruivo nach Achada do Teixeira. Neben in den Himmel ragenden Klippen ist dort ein uralter Heidekrautwald beim Pico do Ruivo das Top-Highlight. Die Bäume sind hunderte von Jahren alt. Der Pico do Ruivo ist der höchste Punkt der Insel und bietet dementsprechende Aussichten.

Heide-Bäume kann man auch auf der Tour entlang einer der schönsten Levadas sehen: Von Ribeiro Frio nach Portela. Bei Lamaceiros hat man einen wunderbaren Ausblick über Porta da Cruz.

Unbedingt zu erwähnen sind auch die Seen Madeiras im Westen. Eine Wanderung entlang dieser unterscheidet sich von allen zuvor erwähnten. Urlauber genießen die blau schimmernden Felsbecken, von denen aus immer wieder Wasser in Richtung Tal strömt und so Sturzbäche und Wasserfälle formen. Bringen Sie zu dieser Wanderung ihre Badesachen mit - bei gutem Wetter gibt es nichts Angenehmeres als eine Erfrischung im kalten Wasser.

Wenn man sich für die Wasserfälle bei den Bergseen begeistert, sollte man nicht auf die Wasserfall-Tour von Queimadas nach Santana verzichten. Entlang derLevada von Caldeirão Verde läuft man durch Tunnels und an kleineren Wasserfällen vorbei zum mäjestätischen Wasserfall von Caldeirão Verde. Für den Hin- und Rückweg sollten vier bis fünf Stunden eingeplant werden.

Auch einfachere Wanderrouten sind reichlich vorhanden: Der Weg von Referta nach Castelejo ist befestigt und auch hier haben Sie schöne Ausblickspunkte über die Dörfer der Nordküste und können beobachten, wie die Insel-Bauern ihr Land bestellen. Der Trip dauert nur zwei Stunden.

Für Heilkundefans: Bei einer Wanderung durch den Regenwald im Tal von São Jorge findet man besonders viele Kräuter und Heilpflanzen.