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Die Azoren
Übersicht
Die Azoren gelten als interessantes und individuelles Reiseziel fernab vom Massentourismus. Auf den neun größeren und mehreren kleinen Inseln bestimmen noch Ruhe und Tradition das Leben der Einheimischen. Das milde und ganzjährig beständige Klima der Inseln lockt Touristen an, die nicht in brütender Hitze am Strand entspannen wollen, sondern bei milden 25° im Sommer auf Inselentdeckung gehen wollen. Als Besucher einer der vielen Inseln trifft man auf portugiesische Gelassenheit und Gastfreundschaft.
Die Inselgruppe im Atlantik hat sich in den vergangenen Jahrhunderten kaum verändert. Ein Großteil der dortigen Natur besteht noch immer in ihrem ursprünglichen Zustand. Besonders Wanderer und Naturfreunde lockt die bunte Mischung aus Kraterseen, Blumen, hohen Klippen, Wäldern und weiten Wiesen an. An den vielen Ausblickspunkten entlang der Küsten oder auf den Gipfeln der zahlreichen Vulkane wird man dann für die Mühen des Kletterns mit grandiosen Aussichten belohnt.
Da es auf den Inseln kaum Strände gibt, sind Badeurlauber dort eher selten anzutreffen. Neben Wanderern kommen vermehrt Segler auf die Azoren. Die Tatsache, dass man auf einigen der Inseln besonders gut Wale beobachten kann, lockt Forscher und Tierliebhaber an.
Wer neben all der wunderschönen Natur nicht auf das städtische Leben verzichten möchte, wird in Ponta Delgada -Hauptstadt der Azoren auf São Miguel-, Horta auf Faial oder Angra do Heroismo auf Terceira glücklich. Denn auch wenn generell Ruhe und Idylle das Leben auf den Inseln bestimmen, zieht inzwischen auch das mitteleuropäische Stadtleben auf den Azoren ein. Die größeren Städte der Azoren schaffen es, historische Stätten und Geschichte mit modernen Einrichtungen und Funktionen zu verbinden.
Hauptwirtschaftszweig der Inselgruppe ist die Landwirtschaft. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Vieh- und Milchwirtschaft für den Export. Viele der Einwohner leben ansonsten von der Subsistenzwirtschaft. Eine Besonderheit der Azoren ist der Anbau von Tee und Ananas. São Miguel ist der einzige europäische Standort, an dem Tee und Ananas angebaut werden.
Die Azoren entstanden innerhalb von mehreren Millionen Jahren. Die älteste Insel ist Santa Maria, die vor rund 15 Millionen Jahren entstand. Die jüngste ist die Insel Pico mit nur knapp 2.500 Jahren. Der gleichnamige Berg der Insel ist der höchste Portugals und die drittgrößte Erhebung im Atlantik.
Kultur und Geschichte
Die Inseln der Azoren sind im Laufe mehrerer Millionen Jahre entstanden. Pico ist die jüngste der Inseln und entstand wie die anderen auch beim Ausbruch eines Unterwasservulkanes.
Bereits im 12. Jahrhundert waren die Inseln im Atlantik auf Seekarten der Phönizier eingetragen. Allerdings waren sie zu diesem Zeitpunkt nur unvollständig bekannt und nicht besiedelt. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden die Azoren zum ersten Mal offiziell betreten. Heinrich der Seefahrer hatte den Auftrag erteilt, nach dem Ende der Welt zu suchen. So kam es, dass Diego de Silves 1427 unbeabsichtigt auf die heutige Insel Santa Maria stieß, nachdem ihn der Wind vom ursprünglichen Kurs abgetrieben hatte. Später waren es andere Kapitäne, die die restlichen Inseln entdeckten. Flores und Corvo waren die letzten Inseln, die 1452 entdeckt wurden.
Heinrich der Seefahrer bekam die Inseln vom König geschenkt, doch konnte sie nicht selbst verwalten. Die Besiedlung der Inseln begann 1431 auf Initiative von Isabella von Portugal. Die ersten Siedler waren nicht nur Portugiesen, sondern auch Flamen. Auf einigen der Inseln erinnern heute noch deren Windmühlen an den niederländischen Einfluss während der Siedlungszeit. Die Flamen waren es auch, die für den Anbau von Pastellfarben sorgten. Im Laufe des 15. Jahrhundert kamen immer mehr portugiesische Bauern auf die Inseln. Sie rodeten viele der Wälder, um Platz für Viehweiden und Ackerflächen zu schaffen. Viele Siedlungsgründungen gehen auf diese Zeit zurück. Die aus Europa und Asien eingeführten Pflanzen wie Getreide, Mais und Gemüse gediehen gut und trugen zu einer raschen Verbesserung der Versorgung Portugals und der afrikanischen Kolonien bei. Die Farbstoffe, die aus Pastell und der Färberflechte Urzela gewonnen wurden, waren mit dem Aufkommen der Färberei auf dem europäischen Kontinent ein immer stärker gefragtes Exportgut der Azoren. Ende des 16. Jahrhunderts kam es fast zu einer Hungersnot, da zu viele Getreideanbauflächen für den Anbau von Pastell hergegeben worden waren.
Die meiste Zeit über waren die Azoren für die Portugiesen ein wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu ihren Kolonien und Besitzungen in Süd- und Mittelamerika. Auch Christoph Kolumbus stoppte 1493 auf dem Rückweg von seiner Entdeckungsfahrt auf den Inseln.
Im 17. Jahrhundert entwickelten sich die Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei mit großen Schritten. Nach dem Niedergang des Zuckerrohranbaus, begann mit dem 19. Jahrhundert eine neue wirtschaftliche Blühte durch den Anbau von Orangen, Ananas, Tee und Tabak. Die Orangenplantagen wurden allerdings bereits am Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Schädlingsbefall zerstört. Auch wurde im 18. Und 19. Jahrhundert der Walfang immer wichtiger für die Wirtschaft der Azoren. Beispielsweise wurden eine Walfangflotte aufgebaut und viele Häfen erweitert. Zu dieser Entwicklung trugen auch die guten Beziehungen zu den USA bei. Viele der Walfänger der Azoreninseln wanderten dauerhaft in die Vereinigten Staaten aus.
Bis heute ist die Bevölkerung der Azoren ihren Bräuchen und Traditionen treu. Sobald irgendwo ein Fest stattfindet, sind das ganze Dorf und manchmal sogar die ganze Insel unterwegs und in Feierstimmung. Besonders die Religion ist oftmals Anlass für Feste.
Zur Tradition der Azoren gehören verschiedene Kunsthandwerke, die von Insel zu Insel ein wenig variieren. Auch heute werden beispielsweise noch Kunstwerke aus Feigen- oder Hortensienmark, Tonkunstwerke, Korbflechtarbeiten, Handstickereien und die Scrimshaw -bekratzte und bemalte Walzähne- hergestellt.
Auch typisch für die Azoren sind die verzierten Gehwege. Diese bestehen aus weißem Kalk und schwarzem Basalt. Der Untergrund wird dabei immer aus Kalk hergestellt und dann werden aus Basalt verschiedene Muster und Bilder darauf gestaltet. Nur auf Faial ist es umgekehrt, da der Kalk erst angeliefert werden musste.
Ansonsten fallen die vielerorts erbauten Wind- und Wassermühlen auf, die im Laufe der Geschichte errichtet worden und auch heute teilweise noch in Gebrauch sind.
Natur
Die Azoren sind ein Geheimtipp für Naturfreunde. Jede der Inseln eignet sich ideal für Wandertouren bei denen man wunderschöne Ausblicke über die Insel genießen, Kraterseen erkunden und faszinierende Lavaformationen erklimmen kann.
Die biologische Vielfalt macht die Inseln besonders interessant. Diese ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Azoren biogeographisch weitgehend isoliert sind und sich auf ihnen deshalb eine Reihe endemischer Pflanzen entwickeln konnte.
Die Landschaften sind heute von Insel zu Insel verschieden und auch auf einer einzigen Insel kann sich die Natur äußerst abwechslungsreich gestalten. Besonders durch das milde und feuchte Klima sind alle Inseln insgesamt sehr üppig bewachsen und blühen fast ganzjährig grün. Die ursprüngliche Natur der Inseln ist mittlerweile nur noch stellenweise vorzufinden. Gründe für den Rückgang der natürlichen Vegetation sind Abholzung, konventionelle Landwirtschaft und besonders eingeführte exotische Pflanzenarten. Diese verdrängten viele der ursprünglichen Pflanzen. Heimische Arten sind beispielsweise der Lorbeerwald und die Baumheide. Heute prägt die Hortensie das Bild der Azoren. Obwohl sie nicht zur urtypischen Vegetation gehört, hat sie sich mittlerweile auf allen Inseln stark verbreitet und blüht in übermannshohen Hecken fast das ganze Jahr über. Die blauen, lila und weißen Blühten schimmern überall durch das tiefe grün der übrigen Vegetation.
Den Artenreichtum verdanken die Inseln unter anderem Vögeln, die auf ihrem Weg nach Amerika auf den Azoren zwischenstoppten und allerlei Samen zurückließen. Diese konnten sich dank des stets feuchten und warmen Klimas schnell entwickeln.
Besondere Blumenarten der Azoren sind beispielsweise die Girlandenblume, die Aronlilien, und Kamelien. Darüber hinaus wachsen auf den Inseln auch spezielle Farne und Palmen. Über 50 endemische Arten –die also nur auf den Azoren vorkommen- wurden entdeckt. Dazu zählen unter anderem eine Wachholderart, der Heidelbeerbaum, Lorbeer und die Baumheide.
In der Tierwelt ist vor allem die Vielfalt der marinen Arten auffällig. Rund 40 verschiedene Wal- und Delphinarten wurden vor den Küsten der Azoren bereits gesichtet. Daneben zählen die Inseln im Atlantik auch zu einem der fischreichsten Gebiete der Welt: Etwa 500 Fischarten leben in den Gewässern rund um die Inseln.
Ansonsten sind die Inseln Ruhestation für viele Vogelarten auf dem Weg zu ihren Sommer- und Winterquartieren.
Fast alle Tierarten, die heute auf den Azoren vorkommen, wurden von den Siedlern mitgebracht. Nur Fledermäuse werden zu den ursprünglich auf den Inseln vorkommenden Säugetieren gezählt.
Strände
Einen konventionellen Badeurlaub auf den Azoren zu planen, gestaltet sich eher schwierig. Das liegt daran, dass die Azoren mit ihrem wechselhaften und milden Wetter und den wenigen Stränden nicht zu den typischen Badeinseln gezählt werden können. Bei rund 20° sollte man nicht zimperlich sein, möchte man einen Tag an einem der Strände des Archipels verbringen. Neben den vereinzelnd vorhandenen Stränden, die zum Entspannen in der Sonne einladen, eignet sich die schroffe Küstenlandschaft eher zum Schnorcheln und Tauchen. Ansonsten gibt es auf São Miguel und Graciosa verstreut heiße Quellen, die zu Thermalbecken in freier Natur werden.
Das Wasser rund um die Azoren ist sehr sauber und in den Sommermonaten ausgesprochen warm. Das liegt an dem Golfstrom, der ebenfalls zur vielfältigen Fischfauna beiträgt. Die Vielfalt der Strände hält sich hingegen im Rahmen. Sandstrände gibt es nur auf der einzigen Insel, die nicht vulkanischen Ursprungs ist: Santa Maria. Auf São Miguel und Faial findet man nur wenige Strandabschnitte, die aus schwarzem Sand bestehen. Häufiger gibt es Felsstrände und Buchten mit großen Kieseln. Ansonsten gibt es vielerorts extra angelegte Naturschwimmbecken, die sich scheinbar natürlich in das Lavagestein integrieren. Und auch die Nutzung der Thermalquellen nimmt stetig zu. Sie sind angenehme Alternativen zu einem Sprung in den Atlantik, da sie anders als die See nicht mit gefährlichen Strömungen oder schroffen Felsen aufwarten.
Der wohl schönste Strand der Azoren befindet sich auf Santa Maria. Der Sandstrand Praia Formosa ist auch im Sommer nur von wenigen Badegästen besucht, was eine angenehme Atmosphäre zum Entspannen schafft.
Orte
Die beste Zeit für eine Reise auf die Azoren liegt zwischen Mai und September, da die Temperaturen hier ihren Höchstpunkt erreichen und auch die Wassertemperatur bis auf über 20° ansteigt. Möchte man die Azoren mit ihrer Kultur und Tradition richtig erleben, sollte man sich in typischen Landhäusern einmieten. In den Touristenzentren gibt es auch große Hotels, allerdings lange nicht auf jeder der neun Inseln. Das größte Angebot an Hotels, Ferienhäusern, Pensionen und Privatzimmern gibt es auf der Insel São Miguel.
Auf den kleineren Inseln ist die Suche nach Unterkünften manchmal schwieriger, da es selten Hinweisschilder gibt.
In Ponta Delgada auf São Miguel und auf Terceira gibt es Jugendherbergen, und auf fast allen Inseln verschiedene Campingplätze.
Auf São Miguel sollte man auf jeden Fall die Hauptstadt der Azoren -Ponta Delgada- besuchen. Daneben lädt auch Ribeira Grande an der Nordküste mit einer idyllischen Altstadt zu einem Besuch ein. Der Westen der Insel besticht durch seine weitläufige und aufregende Natur -der Vulkankrater Sete Cidades ist eines der beliebtesten Reiseziele der Azoren. Allerdings finden sich dort kaum Unterkünfte.
Die Inselhauptstadt Santa Cruz de Graciosa lockt auf der Insel Graciosa noch immer die meisten Touristen an. Aber auch andere Orte gewinnen immer mehr an Beliebtheit.
Corvo ist die kleinste Insel des Archipels. Die Hauptstadt namens Vila do Corvo ist gleichzeitig die einzige Stadt der Insel. Touristen sammeln sich daher während eines Besuchs der kleinen Insel fast ausschließlich in diesem Ort und begeben sich von dort aus auf Ausflüge durch die wunderschöne Landschaft Corvos.
Auf der Insel Pico lockt vor allem der gleichnamige Vulkan Besucher an. Als touristische Zentren gelten dort etwa die Hauptstadt Madalena sowie Lajes und São Roque. Die beiden letzten Städte gelten aufgrund ihrer wichtigen Funktion in der Geschichte der Insel und des Walfangs als kulturelle Zentren.
Von Madalena aus kann man mit der Fähre nach Faial fahren. Im Hafen der Inselhauptstadt Horta rasten jährlich rund 2.000 Segler und Kreuzfahrer, was dem Ort und mit ihm der gesamten Insel ein internationales Flair verleiht. Im Hochland der Insel befinden sich keine Ortschaften und neben Horta gibt es auch and er Küste kaum größere Orte.
Die Insel Sao Jorge ist touristisch kaum erschlossen, was sie ideal für Wanderer macht. Der Westen der Insel ist nur spärlich besiedelt und neben der Hauptstadt Velas finden sich nur wenige andere größere Ortschaften.
Die Hauptstadt der Insel Terceira -Angra do Heroismo- gilt als schönste Stadt der Azoren. Ein Teil der Altstadt ist sogar von der Unesco als Weltkulturerbe geschützt. Von Angra do Heroismo aus können Urlauber verschiedene Ausflüge planen. Die Insel bietet für fast jedes Interesse eine Aktivität und selbst Strände findet man auf der kleinen Insel vor.
Auf Flores findet man als Tourist am ehesten in den beiden größten Orten Santa Cruz und Lajes eine Unterkunft von der aus man die beliebte Insel erkunden kann.
Santa Maria mit der Hauptstadt Vila do Porto im Südwesten ist vor allem aufgrund der vielen Bademöglichkeiten bei Touristen beliebt.