Highlights von Sardienien

Seit 1948 zu Italien gehörend, hat die zweitgrößte Insel des Mittelmeeres trotzdem ihren autonomen Status und ihr ganz eigenes Profil. Geprägt von langen Traditionen, der sardischen Küche und einer Landschaft, die einem Freilichtmuseum gleicht, ist Sardinien mehr als eine italienische Insel. Ihr Name geht auf das antike Wort Ichnusa zurück, was Fußabdruck bedeutet. Der Legende nach soll Sardinien entstanden sein, als Gott nach seiner Schöpfung der Erde die übrigen Steinbrocken mit dem Fuß im Mittelmeer festtrat. Dieser kleine Fleck Fels erschien ihm aber zu grau und so schmückte er ihn mit den schönsten Blumen, Vögeln und anderen Kostbarkeiten, die er auf den Kontinenten finden konnte. Der Name des sardischen Bieres Ichnusa erinnert heute an diese Legende.

Die Sagen und Legenden ranken sich um Sardinien, das früher Feen und andere Fabelwesen beherbergt haben soll. Traditionell hielten die Sarden immer Schafe und Ziegen, daher der leckere Pecorino Käse. Die Bewohner haben aber auch eine innige Verbindung zu Pferden. Die sardischen Feste werden nicht selten auf dem Rücken der Vierbeiner und in Tracht ausgetragen. Um manche Kirchen ereignen sich skurrile Pferderennen.

Bevor die Römer an der Insel anlegten, prägten unterschiedliche Kulturen Sardinien. Auch sie hinterließen alle ihren eigenen Fußabdruck, ihre unterschiedlichsten architektonischen Überbleibsel zieren noch heute die Insel: Nuraghen, Schutzgebilde aus Stein, die heute das Inselbild prägen, sogenannte Backofengräber und Feenhäuser, heilige Brunnen oder Gigantengräber, sie alle zeigen den regen Wechsel der Kulturen noch vor der phönizisch-punischen Zeit.

Die ersten Städte auf Sardinien und das Straßennetz gehen auf die Punier zurück. Die Eroberer siedelten sich an der Küste an und ließen das Inselinnere vorerst unberührt. Manche der Orte tragen noch heute ihre punischen Namen. Auch die Römer hinterließen auf der Insel bleibende Spuren, vor allem in der Sprache. Dann geriet die Insel in die Hände der Wandalen. Nicht unter allen Herrschaften blühte die Insel wirtschaftlich und kulturell auf. Es gab auch Zeiten, in der sie unter ihren Herrschern verarmte und verwahrloste, aufgeteilt zwischen verschiedenen Feudalherrschern und den arabischen Flotten an den Küsten. Unter dem Sohn des Sizilischen Königs kannte Sardinien eine kurze Phase als Königsreich. Pisa und Genua mischen sich in Spanische Eroberungsversuche ein, es gibt Streit, Schlachten und weitere Königsreiche.
 Nach dem zweiten Weltkrieg wandern viele Inselbewohner während einer Hungersnot aus. Zehn Jahre später beginnt der Tourismus zu florieren und die Insel rappelt sich wieder auf.

Natur:

Raue Felsen, übersäht mit Sardiniens bunt blühenden Oleandersträuchern, buschigem Rosmarin und Thymian, Myrte und Schwarzdorn und die Macchia Bäume an den Küsten, an denen Flamingos Rast machen, das ist nur ein Auszug aus Sardiniens atemberaubender Naturschönheit. Sandstrände mit azurblauem Meer säumen die Buchten und an der Rivera de Corallo ernten Fischer die seltene Mittelmeerkoralle.
 In Sardinien gib es den sonst nur auf Inseln oder in Mittelamerika vorkommenden Erdbeerbaum. Seine Blüten und seine Früchte, die Erdbeeren ähneln, werden hier zu Likör, Marmelade oder Honig verarbeitet und gelten als Delikatesse. Neben Mufflons ist die Insel auch Lebensraum des vom Aussterben bedrohten sardischen Hirschs.

Wirtschaft:

Neben der wilden Natur prägen die Anbaufelder Sardiniens Landbild. Weinberge und Olivenhaine zieren viele Hänge. Bevor Sardinien ihre eigenen Weinsorten herstellte, wurden die Traubenerzeugnisse der Insel hauptsächlich zur Veredelung anderer Weine genutzt und exportiert. Mit dem Anbau von Reben beschäftigten sich allerdings schon die Phönizier und Karthager auf der Insel und angeblich bauten sogar schon die Nuraghenkultur eine der ältesten Reben im Mittelmeerraum, den Cannonauwein, an. Sicher ist, dass sie Oliven züchteten. Von den Spaniern später optimiert, bringt der Anbau heute auch Exporteinnahmen. Zum Ende der Saison im Herbst feiern die Sarden Erntefeste wie die Sagra delle Olive bei der Bauern frischgepresstes Öl und andere Olivenprodukte verkaufen und die Städter von den Küsten holen. Im Norden der Insel, bei Luras, sind zwei ältere Exemplare zu sehen. Mit geschätzten 3000 bis 4000 Jahren könnten sie die ältesten Olivenbäume Italiens sein.
 Eine Besonderheit ist der Safrananbau. Im November verwandeln sich manche braunen Äcker in Violette Blütenmeere. Dann begeben sich die Dorfbewohner auf die Felder und ernten die im Krokus wachsenden purpurroten Fäden.