Cagliari - Sardinien

Zwischen schmalen Gassen, wo der Putz von den Wänden fällt, durch Rundbögen hindurch, erreicht man hoch oben  auf der Hügelspitze die Altstadt Castello - „Casteddu“ wie die Sarden sagen. Die gewaltigen Schlossmauern  mit den Türmen aus dem Mittelalter in denen nur Adelige wohnen durften, säumen das Zentrum von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Aus der Vogelperspektive reicht der Blick von hier aus auf die gesamte Stadt – ein gewaltiges Panorama -.

Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kathedrale Santa Maria di Costello, ist für ihre zahlreichen und kostbaren Kunstwerke bekannt die im Inneren der Kirche aufbewahrt werden, etwa das  Silbertabernakel in Form einer Renaissancekirche oder dem Doppel Trithychon aus dem 16 Jahrhundert, welches die Kreuzigung und die thronende Madonna darstellt. Ein wahres Diadem ist aber die marmorne Kanzel des Künstlers Guglielmo aus dem frühen 12 Jahrhundert, eines der bedeutensten Werke der romanischen Plastik auf Sardinien.

Im archäologischen Museum finden Sie viele gut erhaltene Zeugnisse und Artefakte aus frühreren Jahrhunderten, ja sogar Jahrtausenden. Für Kulturliebhaber ein absolutes Muss. Selbst in der  Universitätsbibliothek finden Sie Raritäten;  wertvolle Manuskripte und alte eingebundene Bücher werden hier liebevoll aufbewahrt.

Auf der Liste der Top Sehenswürdigkeiten steht das grösste römische Bauwerk in Sardinien, das Amphitheater, datiert auf das 2 Jahrhundert. Lange ist es her, als kräftige Gladiatoren in der kreisförmigen Arena gegeneinander kämpften und Theaterauführungen die Zuschauer begeisterten.

Wo in der Oberstadt historische Gebäude glänzen, herrscht in der Unterstadt modernes Grossstadtleben. Direkt am Hafen, an der Piazza reihen sich Cafés, Cocktailbars und Boutiquen aneinander. Unter den schattenspendenden Palmen, kann eine Pause einlegen und  das bunte Treiben geniessen.  Am längsten Strand, dem weissen Poetto Strand geht so richtig die Post ab. Partyhungrige kommen ganz auf Ihre Kosten, denn Bars und Clubs laden hier bis in die Morgenstunden zum tanzen ein.

Und ein Naturwunder der besonderen Art ist die Parco Naturale Molentargius – Saline, mit ihren flachen Salzseen und wogenden Schilfwäldern, die für viele verschiedene Wasservögel, wie den wildlebenden, rosafarbenen Flamingos ein willkommenes  Paradies ist.

Die historischen Viertel von Cagliari

Der Stadtkern von Cagliari setzt sich aus vier historischen Vierteln zusammen: Castello, auch bekannt als Castedd'esùsu (das “Obere Castello”), Stampace, Villanova und Marina, die so genannten Isappendìtzius, “die Anhängsel” des Bezirks Castello.

Am ältesten ist vermutlich Castello, wo sich dereinst die antike phönizische Akropolis von Karali befunden haben soll. Aufgrund seiner strategischen Lage wurde es 1216 für eine Siedlung der Pisaner ausgewählt, die dort ein bedeutendes Verteidigungssystem errichteten, das später von den Aragonesern und den Piedmontesern verstärkt wurde. Als Sitz der zivilen und religiösen Aristokratie war es direkt verbunden mit den beliebtesten Vierteln: Marina (ehemals bekannt als Lapola) mit seinen vielen Geschäften; Stampace, dessen lebhafte Einwohner sich selbst als Cùccuruscòttus, “Hitzköpfe”, bezeichneten; Villanova, wo viel Landwirtschaft betrieben wurde, wie man noch zu Beginn des 20.Jh. an den dortigen Gärten und Weinbergen sehen konnte.

Die Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek von Cagliari kümmert sich um die Sammlung, Aufbewahrung und Auswertung eines gewaltigen literarischen Schatzes mit mehr als 6000 Manuskripten, 236 Inkunabeln und 5000 Cinquecentinen. Gegründet wurde sie 1764 im Zuge der durch Carlo Emanuele III vorangetriebenen Reformation der sardischen Universitäten. Zunächst befand sie sich in der “Großen Halle” (heute “18.Jh. Halle” genannt), die herrlich im Piedmonteser Barockstil ausgeschmückt ist. Direkt verbunden mit der Geschichte der Insel hingegen sind die Originalkopien der Condaghi. Dabei handelt es sich um die gesammelten Aufzeichnungen zu Verwaltungsakten, die einst in der mittelalterlichen klösterlichen Welt Sardiniens zum Tragen kamen.

Die Kathedrale

Santa Maria von Castello ist Kathedrale von Cagliari seit 1258, als die Pisaner die ehemalige Hauptstadt des Giudicato di Cagliari, Santa Igia, zerstörten. Die ursprünglich im romanischen Stil erbaute Kirche wurde immer wieder vergrößert und umgebaut, im 14.Jh. von den Aragonesern, und insbesondere im 17.Jh., als sie einschließlich der Fassade im Barockstil restauriert wurde.1902 wurde diese Barockfassade in der Hoffnung entfernt, darunter die Fassade aus dem 18.Jh. zu finden. In den 1920er Jahren dann wurde die Fassade im romanischen Stil neu gebaut und verlieh der Kathedrale damit ihr heutiges Erscheinungsbild. Unter dem erhöhten Presbyterium liegt die Märtyrerkrypta, die auf Anweisung des Erzbischofs De Esquivel 1618 erbaut wurde, um Märtyrerrelikte aus der Nekropolis von S. Saturnino und S. Lucifero aufzubewahren. Die Suche nach diesen Relikten war eng verbunden mit einem Disput zwischen Cagliari und Sassari in der Frage, welche der beiden die bedeutendere Erzdiözese auf Sardinien sei. Die Kathedrale bietet auch ein bewundernswertes Beispiel romanischer Skulpturen aus Pisa in Form des Pergamo von Mastro Guglielmo (1159-1162), welcher ursprünglich im Dom von Pisa stand und seit 1312 in Cagliari zu sehen ist.

Der Königliche Palast

Der Palazzo Regio, heute Sitz der Provinzverwaltung von Cagliari, wurde unter den Pisanern erbaut, aber erst mit Pietro d'Aragona im Jahre 1337 offizielle Residenz des spanischen Vizekönigs. Seitdem wurde das Gebäude mehrfach wieder aufgebaut, je nachdem, für welchen Zweck es jeweils genutzt wurde, insbesondere im 18.Jh. Mit der Dekoration der Ratskammern des Palastes, der seit 1885 Sitz der Repräsentanten der Provinzverwaltung war, wurde der perugianische Maler Domenico Bruschi beauftragt. Er malte zwischen 1893 und 1894 einen Freskenzyklus, der historische Motive, Verismen und Allegorien mischt, um die Geschichte Sardiniens in all ihrer Pracht zu verewigen.

Das Nationalmuseum für Archäologie

Das Nationalmuseum für Archäologie befindet sich in einem als Cittadella dei Musei (Museumsfestung) bekannten Komplex. Die bedeutendsten Museen von Cagliari befinden sich seit dem Wiederaufbau nach dem 2.Weltkrieg auf dem einst militärisch genutzten Gelände.

Ein Museumsbesuch eröffnet zwei Möglichkeiten: Im Erdgeschoss können Interessierte in chronologischer Reihenfolge mehr über die verschiedenen Kulturen und Zivilisationen erfahren, die Sardinien vom neolitischen Zeitalter bis ins frühe Mittelalter bewohnten. In den oberen Stockwerken sind die Ausstellungsstücke dann geografisch angeordnet, je nach Gegend, in der sie gefunden wurden.

Die Sammlung ist zweifellos einer der größten Schätze der pränuraghischen und nuraghischen Zeit.Sie gibt außergewöhnliche Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der sardischen Bevölkerung, sowohl in Bezug auf eigene Besonderheiten als auch im Hinblick auf die Beziehungen zu anderen Mittelmeerzivilisationen, mit welchen sie aus wirtschaftlichen, militärischen oder politischen Gründen in Kontakt stand. Zu den bedeutendsten Artefakten zählen mehrere Bronze-Statuetten aus der nuraghischen Ära, deren Darstellungen von den gesellschaftlichen, politischen und religiösen Strukturen ihrer Ursprungszivilisation erzählen.

Die Schätze von Cagliari

Cagliari ist eine so geschichtsträchtige Stadt, dass sie das Gefühl haben eine Zeitreise zu machen. Geniessen Sie die unzähligen historischen Stätten und Bauten. Details dazu finden Sie auf der Seite der Stadt Cagliari.